H wie Hebel, Hääs & Heartstopper

Ungeahnte Szenen spielen sich ab beim Bäckerei Poetry Slam im März. Da wird mit ein & einzig mitgebrachten Texten volle Punktzahlen abgeräumt, sog. Tonis hingelegt. Bestes Stichwort des Abends naturgemäß: Babyotter.
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Ein gutes und cutes last minute noch durch Petra ergänztes 12er Line-up befindet sich in den Startlöchern, angeführt von Alex Maier auf Startplatz 1, der von Jugendsprach hart getriggert wird, das crazy. Zum Glück findet er im Kühlschrank noch ein paar Fischdosen. Wie viele genau? Oh, mega, 3!

Darauf folgt Lenny, die mit Glitzermuskelkater vor Lachen den Verstand verlieren und von allen guten Geistern verlassen sein will. Exzess statt Kontrolle, weniger Beton, mehr Stichwort: Luftschlösser.

Ida Nordpol erweitert abermals unser Buchstabieralphabetwissen von A wie (neuerdings) Anna statt Anton und Z wie Zwettl (da kennt sich auch die Waldviertler Moderation gleich aus). N wie Nordpol gibts nicht mehr wegen Klimawandel, O wird naturgemäß zu Otter, gefolgt von P P P Poetry Slam. Die Jury findet: F wie Finale.

Neuling Huter Maximilian ist 26, ein Alter in dem Haben und Sein in Bezug auf Kinder sehr nah beieinander liegt. Ein gereimtes Gagfeuerwerk auf Erlkönig-Basis und Vitamin K(etamin) mit Ausgeheskapaden und Weiß sauer vs. Sauerteig und der Frage: Kind oder bsoffn. Höchste Punktzahl und prompt der Ruf von Max aus dem Publikum, er habe aber keinen zweiten Text dabei.

Auf der Startnummero 5 beehrt uns Petra. In ihrem Text geht es um den Tod. Immer um den Tod. Und um Weisheiten wie: Wir sind doch alle die gleichen Lulus. Außer Petras Oma (finde ich), die sich ihre beiden Rezepte gegen Homophobie patentieren lassen sollte: Kein Fleischkas mehr oder frisch gleich Faschieren.

Joey Woodner bereitet uns Rahmen- und Binnenerzählung mit einer Geschichte von einem Freund, der sich an zu scharfem Essen verbrennt, die Joey seinen Schüler*innen im Matheunterricht erzählen muss – Standardprozedere bei Alarm Folgefehler vorprogrammiert.

David Schneider hat einen Text auf englisch dabei. Sorry! Das ist französisch und heißt so viel wie Entschuldigung. Er fliegt in Vogelperspektive über Lebensentscheidungen entlang der Küstenlinie und opfert manchmal eben sein Boot für eine schöne Bucht. Stichwort: Shit Shower Shave und die Moderation geht sich kurz die Ohren putzen, dann wirds vielleicht nächstes Mal auch direkt verstanden.

Wir haben es alle mitbekommen: Dem Reich für die Insel im Kubus vorm Landestheater geht es an den Kragen. Toll gemacht, lieber Anzi, liebe Stadtpolitik, findet auch Sophia. Sie erinnert uns in ihrer Trauerrede daran, dass IBK kein 928tausendstes Kaffeehaus braucht, wenn die Arche sich gerade noch so über Wasser hält.

MC Katrin ohne h verordnet zwischendrin eine Tanzeinlage zu Scantily Clad von Haute & Freddy, denn die Luft wird langsam dick. Durchgeschüttelt gehts weiter:

Von Maxime bekommen wir 10 Gründe, warum bei gayen Serien wie Heated Rivalry und Heartstopper geweint werden muss, denn wir alle channeln manchmal unseren inneren schwulen Mann. Es wird gay panic und sad, aber v.a. happy tears wegen chronischer queer connection verursacht. Stichworte ebendiese und queer love & wo wären wir, wenn das nicht den Finaleinzug bedeutete?

Sophie Fröhlich wird von MC Katrin ohne h zum schweren Regelverstoß verleitet, aber Hündin Bambus mit dem Teddy Fleece hätte einfach unmöglich neben der Bühne bleiben können. Es folgt ein Rant über Dackel – vorne Hund, hinten Zweifel, der Comic Sans unter den Hunden und Publikumsbeteiliung (“Stoppt! – den Dackel!” wird im Chor gerufen). Bambus macht schließlich den Regelstoß mittels Sabotage wieder wett und reißt das Mikrostativ um.

Kurz vor Schluss – ein Verwirrspiel. Meint Julia Gollner das echt so??? Sollten sich aus dem Publikum nicht schon längst resolute Gegenstimmen rühren? Das fragt sich Julia direkt nach ihrem hassrednerischen Intro auch und fordert mehr Menschlichtkeit statt Auf- und Abgeben an den einen oder anderen alten weißen Mann mit den Hebeln in der Hand.

Damit legt sie einen astreinen, eben so benannten “Max” hin: das erste Mal dabei, aus dem Stand volle Punktzahl, aber keinen zweiten Text dabei – es bleibt spannend.

Und den Abschluss der Vorrunde macht das Malset von Johanna, die fast farbenblind geworden aka sich fast selbst vergessen hätte. Dabei geht es doch darum, die Lieblingsfarbe, wie etwa leuchtendes Lila oder Himmelblau zu finden.

Nach der wohlverdienten Pause, die Max schreibend verbracht hat, geht es in ein unverhofftes Viererfinale hinein. Julia Gollner hat im Notizheft auch noch was Vorlesbares gefunden: Ideal!

Wir hören von Maxime zu partnerschaftlicher Gewalt, von Ida Nordpol vom Hääs vo da Oma, von Julia Gollner von Parlamentarier*innen mit Rückgrat und Anstand und – in der Pause geschrieben – “selber Max, selbe Story, schlechterer Text” über Schwangerschaftstests und Saufi, z.B. zwei Schuss mit Kaffee.

Die Applausabstimmung ist kurz und knackig, so schlecht kann die Moderation gar nicht hören. Max nimmt den Sieg und das Slamsackerl entgegen. Die Gurkengläser werden den Zweitplatzierten überlassen. Win Win & Juhui & schön, dass ihr alle da wart!

Wir finden uns das nächste Mal am 24.04.2026 in der Bäckerei ein, Rumo Wehrli wird zu Gast sein!

 

Wem dazwischen fad zu werden droht, kann sehr gerne von 9.-11.04.2026 beim Innsbruck Prosa Festival vorbeischauen – dort mischen unter anderem die bekannten Markus Köhle und Martin Fritz mit, ergo wird das sehr gut!

Alle Fotos: Martin Fritz

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